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Die 68er und der Bulli PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Donnerstag, 21. Februar 2008

Das Kultmobil galt weltweit als klassenloses Auto

Nach einer unvergleichlichen Auto-Karriere, die dem ersten Volkswagen Transporter, dem T1, in den 17 Jahren von1950 bis 1967 nicht allein Ruhm und Ehre verschafft, sondern ihn auch . quasi mit Vollgas . durch die Steilkurve in den Olymp der raren Kult-Autos manövriert hatte, stellt sich 1967 die zweite Transporter-Generation dem Publikum. Für das Volkswagen Management bedeutet das den ersten Modellwechsel in der noch kurzen Geschichte des Hauses. Wie der Käfer, seit dessen Typprüfung von einigen eher kosmetischen Eingriffen abgesehen konstruktiv unverändert, sollte auch der T1 ursprünglich allein über Modellpflegemaßnahmen in kleinen Schritten weiter entwickelt werden. Gustav Mayer, im internen Jargon besser bekannt als .Transporter-Mayer., hatte vom technischen Fortschritt des Mehrzweck-Vehikels freilich andere Vorstellungen und konnte sie auch durchsetzen. So entsteht mit dem T2 ein vollständig neu konstruiertes Automobil. Mayer und dem Entwicklungsteam gelingt dabei das Kunststück, den Imagestatus des T1 unversehrt zu übernehmen und weiter zu stabilisieren. Der Volkswagen Transporter ist . wie der Käfer . ein klassenloses Auto. Es taugt gleichermaßen für die Arbeit wie für die Freizeit. Zeigt tolles Profil sowohl an der Laderampe als auch auf der gepflegten Zufahrt zum Schauspielhaus. Polizei und studentische Protestierer treffen sich auf Augenhöhe . beide im VW Transporter. Hierzulande ist die Begegnung mit diesem motorisierten Allroundtalent gegen Ende der 60er Jahre in jeder Beziehung wertfrei: kein Protz, kein Dünkel, dafür tradierte Tugenden, die von allen Bevölkerungsschichten goutiert werden. So ist ein Volkswagen Bulli ein stabiles Element in einer Gesellschaft, die gerade von der aufstrebenden Generation in Frage gestellt wird. Wertewandel mit Staatsmacht hüben, mit Musik und Flower-Power drüben, jenseits des Atlantischen Ozeans. Dort drücken Hippies dem Bulli jenen Stempel auf, der ihn über alle Kontinente und alle gesellschaftlichen Schichten salon- oder festivalfähig macht.

Der Bulli war auch Gefährt der Woodstock-Besucher

Die zweifellos stärkste Beschleunigung in Richtung Kult-Auto erfährt der Bulli an drei Tagen des August 1969: Drei Tage Woodstock, drei Tage Dröhnung aus Blues, Folk, Rock and Soul. Drei Tage für die Größten der Musikszene: auch Joan Baez, Janis Joplin, Joe Cocker, Jimmy Hendrix und The Who. Und: Natürlich zertrümmert Band-Chef Pete Townshend . wie immer . zum Schluss, nach dem letzten Akkord von .We are Not Gonna Take It., seine Gitarre. Die Woodstock-Gemeinde war.s zufrieden . besonders die Menschen, die der Musik trockenen Fußes lauschen konnten. Das waren die unübersehbaren Besitzer eines VW Bulli. Kompaktes Wohnmobil wie kuschelige Unterkunft mit Komplettausstattung . nach damaligem Verständnis. Wenn andere Erkenntnisse aus der gelobten neuen Welt mit einer Verzögerung von einer Dekade den Sprung über den großen Teich schaffen, hat es nach Woodstock keine zehn Tage gedauert, bis die Kunde vom Image-Adel auch in Europa die Runde machte: Make Love, Not War - das war das Bekenntnis der Woodstock-Gemeinde und der Volkswagen Bulli sollte es um den Globus transportieren.



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