| Der VW Bulli als Motor der Wirtschaft |
|
|
|
| Geschrieben von Administrator | ||||||
| Donnerstag, 31. Januar 2008 | ||||||
|
Das deutsche Wirtschaftswunder ist mit zwei Namen untrennbar verbunden: Ludwig Erhard, Wirtschaftsminister im Kabinett Konrad Adenauer, dem ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland und, zweitens, VW Bulli, automobiler Tausendsassa mit Käfer-Genen, das Vehikel für alle Fälle. Besonders für die dynamische Phase des Wiederaufbaus, die zu Beginn der 50er Jahre fast übergangslos der Tristesse der Nachkriegszeit folgt und mit Vehemenz die hässlichen Spuren der jüngeren Vergangenheit verwischt. Der VW Bulli ist der ideale Partner für all jene, die über 18 sind, einen Führerschein besitzen und vor ihrem geistigen Auge schon die neuen Pfründe sehen, die braven Bürgern nach fleißiger Arbeit winken. Da braucht man Typen, die zupacken, nicht zimperlich aber verlässlich sind Bullis eben. Ohne den Bulli hätte die Geschwindigkeit des Aufschwungs wohl kaum über zwei Jahrzehnte gehalten werden können. Seine Maße und seine schier klaglose Bereitschaft, sich auch über scheinbar ausweglose Pfade dirigieren zu lassen, hat ihm zu seinem unzerstörbaren Image verholfen: Ein Bulli kommt immer an vielleicht Mal ein paar Minuten zu spät, aber er bringt ans Ziel, was er geladen hat. Und alle haben sich auf diesen tollen Typ verlassen: die Post, die Polizei, die Bahn. Für die Eisenbahner gab es den Bulli gar mit einem für Schienenbetrieb tauglichen In der Werbung steht er natürlich im Schatten des Käfers, aber seine besonderen Fähigkeiten werden durchaus artikuliert. So heißt es zum Beispiel in einer Zeitungsanzeige, die den Protagonisten mit Blaulicht vor dem Haus der Feuerwache Barmbek und neben einem achtköpfigen Team einsatzbereiter Feuerwehrleute zeigt: .Wer es brandeilig hat, fährt meistens den Transporter. Was für die Feuerwehr gilt, gilt auch für alle anderen Branchen, in denen oft Termine anbrennen. Es gibt wohl kaum einen Eintonner, der so flink und behende auch im dichtesten Großstadtverkehr vorwärts kommt. Und es gibt wohl kaum einen Eintonner, der das mit der Zuverlässigkeit des Volkswagen Transporters tut. Die Variabilität des Bulli ruft gar eine neue Branche ins Leben: Innenausbau von Automobilen. Zunächst wie selbstgestrickt, später immer ausgeklügelter und präziser auf die angestrebte Verwendung ausgerichtet. Am einfachsten noch der Ausbau mit einem drei- bis vierstöckigen Holzregal für Bullis im Bäckereieinsatz. Den Bulli gibt. s auch als Kühlschrank auf Rädern, als Verkaufsstand für fliegende Händler. Sie versorgen abgelegene Siedlungen mit Lebensmitteln, Kurzwaren, Spielzeug und den neuesten Geschichten aus der Nachbarschaft, von denen sogar der Friseur noch nichts wusste. Er bringt Leute zusammen, hält Verbindungen aufrecht, weil Telefone noch Mangelware sind. Es gibt auch Einsatzorte, an denen der Bulli ohne Zulassung für den Verkehr zugelassen ist, unter Tage. Dort wo nach dem Krieg Salz abgebaut wurde, diente der Bulli verbreitet quasi als Mädchen für alles: Personentransporter, Lastesel, Lok vor Loren, Kantinenwagen. Im Laufe des Dauereinsatzes nahmen die gesalzenen Bullis bisweilen merkwürdige Formen an, die sich bei Tageslicht sicher nicht durchgesetzt hätten: Türen wurden entfernt, gelegentlich durch Ketten ersetzt, Scheiben ausgebaut, um in stickiger Tiefe wenigstens vom seichten Fahrtwind zu profitieren. Mehr Luft und mehr Licht atmen Bullis freilich über Tage. Sie selbst sind Realität, aber sie transportieren auch Illusionen überall dort hin, wo es noch keine Kinos gibt. .Heidi. oder .Der Förster vom Silberwald. sind die Renner in der Zeit des Aufschwungs und der Bulli macht sie auch im letzten Winkel der aufstrebenden Republik sichtbar. Also ist der Bulli nicht nur Motor für die Wirtschaft, er ist gleichermaßen auch Transporter von besseren Zeiten.
translate in English Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 1216
Kommentar schreiben
Powered by AkoComment Tweaked Special Edition v.1.4.6 |
||||||
| Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 21. Februar 2008 ) | ||||||
| < zurück | weiter > |
|---|




Fahrgestell














